Mein eigenes Lampenfieber

Vor ca. 20 Jahren besuchte ich meinen ersten Rhetorik-Kurs bei meinem damaligen Arbeitgeber. Ich hatte als Bankkauffrau bereits etliche Kunden erfolgreich beraten und Verkaufsgespräche geführt. Ich dachte also: Ein paar rhetorische Fähigkeiten mehr können nicht schaden“ und machte mir weiter keine Gedanken. Ich fühlte mich selbstsicher und stark, schließlich half ich täglich erfolgreich Kunden bei der Anlage ihres Vermögens …

Meine Zuversicht änderte sich schlagartig als einen Tag vor dem Seminar das Gerücht kursierte, dass der Seminarleiter ein Vorstandsmitglied einer anderen Sparkasse sei (Keine Ahnung, warum der die Zeit haben sollte, ein Seminar zu geben …) Meine Aufregung wuchs Stunde um Stunde und meine Selbstsicherheit war zum Teufel.

Der Seminartag

Der Dozent (ich habe keine Ahnung mehr, ob er jetzt ein Vorstandsmitglied war oder nicht) war sehr freundlich und engagiert. Und wir Teilnehmer als typische Banker nach außen hin selbstbewusst und seriös.

Leider saß im Kurs eine Kollegin, die ich von einer Weiterbildung her kannte und mit sämtlichen negativen Eigenschaften betitelte, die mir einfielen. Sie wissen schon, hochnäsig, arrogant, usw. Und ich dachte:

„Super, diese Frau brauche ich gerade noch hier im Seminar, um mich zu blamieren …“

Die erste Rede

Es kam die erste Rede über ein frei wählbares Bankenthema. Und mir fiel nichts ein! Ich wusste nichts mehr von Anlagen oder Krediten oder den Kreditinstituten im Allgemeinen, alles futsch. Ich hatte noch weniger Ahnung als ein Azubi am ersten Tag.

So stand ich vor den Bankern und begann:

„Ich berichte Ihnen heute über das Sparbuch. Äh, das Sparbuch ist eine Anlageform, die …“

(Schon bei der Themenvorstellung hoben sich einige Augenbrauen, denn bereits die Themenauswahl war unter jeder Würde eines Kundenberaters…)

Mein Körper? Ich fühlte nichts mehr

Ich war wie in Eiswasser getaucht. Mein Körper hatte keinerlei Funktionsfähigkeit mehr, ich fühlte ihn nicht und er bewegte sich auch nicht mehr. Die Arme waren wie mit einer Eisenklammer an meine Seiten gepresst, nur die Finger konnten sich bewegen und wackelten irgendwie herum.

Feedback: Unbarmherzig abgebügelt. Aber sie hatten ja Recht…

Ich brachte die Rede zum Ende. Und dann kam, was kommen musste:

„Da war keine Mimik.“
„Deine Gesten mit den Fingern waren nicht angemessen.
„Du hattest überhaupt keine Gestik.“
„Der rote Faden fehlte in deinem Vortrag.“
„ Ich konnte dir nicht zuhören, es war langweilig“
usw.…

Ich wurde abgebügelt und konnte es den Kollegen nicht einmal übel nehmen, denn sie hatten ja Recht.

Die zweite Rede

Für den nächsten Tag sollten wir eine Rede mit einem frei zu wählenden Thema vorbereiten. Mir stach der Begriff „Sabbatical“ ins Auge und ich verbrachte fasziniert den ganzen Abend mit der Vorbereitung der Rede.

Am nächsten Tag hielt ich meine Rede.

Das Thema fühlte sich gut an und mir gefiel es, über die Möglichkeit einer Auszeit vom Job zu berichten (wahrscheinlich träumte ich bereits damals unbewusst von einem anderen Job) aber mein Körper war trotzdem wieder wie in kaltes Eiswasser getaucht, ohne Gefühle und unbeweglich.

Ein Feedback war anders!

Sie können es sich denken, es kamen wieder die negativen Beurteilungen meiner Seminar-Kollegen.

Bis auf einen Kollegen, der meinte:

“Christine, ich kann den anderen nur zustimmen. Aber dann sah ich in deine Augen (ich hatte also wenigstens einmal Blickkontakt, juchhu). Und in deinen Augen funkelte die Begeisterung über das Sabbatical, sodass ich weiter zuhörte. Alles andere war egal, deine Augen funkelten und hielten mich bei deiner Rede fest.“

 

Diesem Kollegen bin ich heute noch dankbar.

Er zeigte mir auf, dass es wenigstens einen Punkt gab, den ich gut machte (funkelnde Augen und 1x Blickkontakt). Dadurch bekam ich die Hoffnung, dass ich es vielleicht doch lernen könnte, eine freie Rede zu halten und mein Publikum zu faszinieren.

25 Jahre später

Mich faszinieren die Ausdrucksmöglichkeiten in Redesituationen immer noch und ich habe gelernt, mein Lampenfieber zu akzeptieren. Mehr noch, ich habe die Bewältigung der Redeängste, des „Lampenfiebers“ zu meinem Beruf gemacht. Der erfolgreiche und selbstsichere Redeauftritt und die Bewältigung des Lampenfiebers sind Schwerpunkte meiner Trainings und Beratungen.

Kommunikationstrainerin Christine Naber-Blaess Gesprächsführung Lampenfieber-AbbauIch möchte Ihnen durch meine Biographie Mut machen, Ihre Redefertigkeiten zu verbessern und an Ihrem Lampenfieber zu arbeiten.

 Herzlich

Christine Naber-Blaess M.A.

Expertin für stressfreies Reden und BusinessTalk

 

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